Bonuszahlungen – nein danke?

Am Wochenende ist es soweit. Der Weltfinanzgipfel in Washington wirft schon jetzt weite Schatten voraus.

Die Rezession ist in Deutschland angekommen. Der Dax startete heute morgen dennoch stabil. Nichts zuletzt durch die positiven Vorgaben aus den Vereinigten Staaten. Die amerikanischen Börsen konnten am gestrigen Donnerstag nach einer Rekordrallye mit kräftigen Zugewinnen aus dem Handel gehen. Nachdem der Dow Jones zwischenzeitlich sogar die 8.000er Marke durchbrochen hat, erholte er sich im Tagesverlauf in der Spitze um mehr als 800 Punkte. Sicherlich auch wegen dem Handelsbilanzdefizit, welches im September weniger hoch aus als befürchtet ausfiel. Die Wal-Mart-Kette hat hinzu sein Ergebnis im dritten Quartal um 10 Prozent steigern können und somit die Gewinnerwartungen übertroffen. Die Jahresprognose wurde allerdings gesenkt. Intel und Applied Materials verließen ebenfalls mit satten Kursanstiegen das Parkett. 

Eine positive Aussicht auf den Weltfinanzgipfel könnte heute die Aktienmärkte beflügel. Dabei könnten die Erwartungen der G-20 Länder nicht unterschiedlicher sein. Noch-Präsident George W. Bush warnte bereits vor “zu viel staatlicher Hilfe und Regulierung”.

“Die Geschichte hat gezeigt, dass nicht zu wenig Eingriff der Regierung in die Märkte den Wohlstand bedroht – sondern zu viel.” so Bush. 

Deutschland wird eine ganz andere Position einnehmen und stemmt sich somit gegen die Pläne der USA und auch gegen die Pläne Frankreichs. Der ehemaligen EZB-Chefvolkswirt Issing lieferte die Vorlage für eine neue Finanzarchitektur.  Daraus ergeben sich Vorschläge, die auf eine erheblich strengere Aufsicht über sämtliche Weltfinanzmärkte hinaus geht.  Die bestehenden Institutionen sollen befähigt werden die einzelnen Regelungen punktuell anzupassen und graduell zuverbessern. Die dementsprechenden Lücken im Finanzsystem sollen systematisch geschlossen werden.

Die Forderung besteht darin, dass sich alle für das Finanzsystem wichtigen Unternehmen der Regulierung, Kontrolle und Aufsicht unterwerfen. Das gleiche soll für die Produkte der Unternehmen gelten.

Insbesondere geht dies an die Adresse der bislang weitgehend unkontrolliert arbeitende Hedgefonds-Industrie.  Steuer- und Regulierungsoasen sollen durch aus nicht von der Kontrolle ausgeschlossen werden. Ebenfalls sollen sich Zweckgesellschaften der Aufsicht unterwerfen müssen.  Das Paket soll so eng geschnürt werden, dass u.a. der Derivatehandel und die Ratingagenturen stärker kontrolliert werden. 

Für mehr Transparenz soll auch ein internationales Kreditregister sorgen. Darin werden alle Ausleihungen vermerkt, die eine kritische Größenordnung übersteigen.

Die Vörschläge gehen sogar so weit, dass eine Art Risiko-Weltkarte erstellt werden könnte , damit sich globale Risiken besser darstellen lassen. Auf dieser Karte sollen alle großen Finanzinstitutionen, also Banken, Versicherungen, Hedgefonds und alle wichtigen Finanzprodukte verzeichnet werden. Nun könnte man sich fragen, ob dieser “Issing-Plan” nicht etwas zu weitreichend ist, aber wir sind noch nicht am Ende der Liste angelangt. Schon wird von Begrenzungen von Gehältern für Manager gesprochen. Bonuszahlungen- nein danke? Es ist nicht Sache der Politik die Managergehälter zu regeln, jedoch behält man sich das Thema der Gehaltskürzungen bei schlechter Leistung vor. Einige der deutschen Manager könnten sich da entspannt zurücklehnen. Ein Herr Ackermann und Herr Wiedeking sind bekanntlich die deutschen Vorzeigemanager. 

Das Deutschland mit diesem Plan anecken wird, ergibt sich quasi von selbst. 

Es ergibt sich wohl ein spannender Konfrontationskurs mit Franzosen so wie mit den Amerikanern. Die Franzosen setzen eher auf eine komplette Neuordnung der Weltfinanzen. Die US-Regierung würde am liebsten vermelden, dass sich der Markt allein regelt. Japan möchte die Industrieländer aufmuntern die Beiträge an den IWF zu erhöhen. Derzeit ist Japan nach den USA der zweitgrößte Beitragszahler des IWF und schlägt gleichzeitig die Finanzierung der Kredite für den IWF aus den üppigen Dollarreserven des Landes vor. Die Vertreter der Schwellenländer werden die Industriestaaten im eigenen Interesse anhalten die Entwicklungshilfen nicht zu kürzen. Eine gemeinsame Position der EU mit Indien, Südafrika, China und Saudi-Arabien dürfte schwer zu finden sein. Auf Grund der auftrebenden Wirtschaft von Indien und China wird hier nur wenig Interesse einer strengen Regulierung bekundet. Ebenso wollen die Saudis vor allem die Dominanz des Westens beim IWF brechen.  Somit sind zuviele Ansätze gegeben, welche kaum zu einer einvernehmlichen Lösung oder Reform führen können. Also bleiben wohl nur noch gemeinsame Konjunkturprogramme. Und vielleicht können die Manager dann ab Montag wieder besser schlafen.

Gute Nacht.

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